Mit noch mehr Fußball, einem Ausflug, skurrilen Momenten, die im Nachhinein unwirklich erscheinen und der Vorfreude auf Berlin.
Mittwoch: 18.06.08
Immer noch ruhig. Strasbourg. Highlight an das ich mich erinnere, ist das Mittagessen mit dem Diplomaten. Immer sehr unterhaltsam. Ich erhalte eine Einladung zum Salatessen. Sonst passiert arbeitstechnisch in dieser Woche wirklich nichts Aufregendes. Zukünftige Wörter werden daher jetzt eingestellt. Das Essen gestaltet sich wie der ganze Mensch sehr amüsant. Ich bestaune mal wieder, wie unsensibel die Belgier mit ihren Wohnungen umgehen, die sie vermieten. Man bezahlt zwar wahnsinnig viel Miete, aber renoviert wird da nichts. Schade eigentlich, denn die meisten sind Altbauten und haben eigentlich viel Potential. Wenn man mal was machen würde. Aber da sind die Belgier, wie in so vielen Sachen eher uninteressiert. Auch die schönsten Art Deco Häuser verkommen teilweise, da sich keiner drum kümmert. Schade. Ich bekomme den versprochenen Salat und jede Menge mongolische Einblicke und bin fasziniert.
Donnerstag: 19.06.08
Fußballfieber. Einer repräsentativen Umfrage im Büro zu Folge, glaubt allerdings eher keiner an den Sieg der Deutschen. Wir schauen in Nordrhein-Westfalen. Zumindest in der Landesvertretung, mit endlich wieder Bier und Würstchen für andere. Dort treffe ich auch Jost und Viktoria, sowie die halbe WG von Charlotte und Co. Mika der Finne ist neu. Très gentil aussi. Den ersten Finnen, den ich kennen lerne. Die Witzebene funktioniert schon mal. Auch mit Finnen. Dafür muss auf anderer Kommunikationsebene komischerweise wieder von vorn angefangen werden. Oder zumindest teilweise. Egal. Deutschland gewinnt. Alles sind glücklich und unglaublich beeindruckt. Wer hätte das gedacht. Ich sicher nicht. Vor allem die letzten 5 Minuten waren wirklich nervenaufreibend. Ich drücke ab sofort wieder die Daumen.
Freitag: 20.06.08
Roman lässt uns schon halb 4 gehen. Schön. Viel Zeit am Nachmittag. Ich gehe erstmal ausgiebig einkaufen. Nach Hause. Was kochen und die Zeit vertrödeln. Ich schaue Fußball. Aber nur halbwegs aufmerksam. Später mit Olli, Charlotte und ihrem Vater, ja genau Vater, zum Place Lux zweite Halbzeit betrachten. Die Türken machen es spannend. After the game we’re heading towards a place where the Finns live. Mit Vater. Der weder französisch, noch englisch spricht. Dafür etwas russisch und deutsch. Damit kommt man in Belgien zwar halbwegs weit, bei Finnen aber nicht so wirklich. Wir übersetzen. Nach einem Bier geht’s mit dem Taxi zu einem Club namens Havanna. Voll. Sehr voll. Nähe Palais du Justice. Und sehr sehr schlechte Musik. Aber ich amüsiere mich dennoch ausreichend mit den Finnen. Die kennen genauso viele bescheuerte Lieder wie ich. Wir tanzen. Danach mit dem Taxi heim, duschen, Bett.
Samstag: 21.06.08
Ausflug! Der allererste. Ich verbringe mal einen Tag nicht in Brüssel. Unglaublich. Olli und ich fahren mit dem Zug nach Antwerpen. Kostet lächerliche 7 Euro hin und zurück und dauert eine dreiviertel Stunde. Der Zug ist sehr russisch. Könntet auch in Yugoslawien rumgefahren sein, lasse ich mir sagen. Ich schaue mir Belgien durchs Fenster an. Flach. Und nicht weiter aufregend. Antwerpen dagegen ist sehr schön. Wir wandern durch die Einkaufspassage. Urban Outfitter wird getestet. Verrückter Laden. Sehr nett gemacht. Und Banksy Bücher an jeder Ecke. Wir bestaunen die Kathedrale von außen. Innen gibt’s anscheinend viele Rubensbilder, erzählt mir Tina hinterher. Gut. La prochaine fois peut-etre. Wir essen sehr sehr gut. Noch wichtiger als Rubens. Gegen sechs fahren wir wieder. Nice trip. Back in the city we’re meeting friends in an Irish pub to watch the football game. Holland mein Favorit. Leider wird das heute nichts. Ich bin schon etwas traurig. Die armen Holländer. Aber die Russen habens verdient. So wirklich. Ich bin gespannt, wie weit die noch kommen. Nach dem Spiel nach Hause. Heute keine Lust mehr auf weggehen. Das Havanna von gestern reicht noch. Demnächst wieder.
Sonntag: 22.06.08
Perfekter Tag, um die Zeit zu vertrödeln. Irgendwann aufstehen, zum Lieblingsbäcker. Ausgiebig frühstücken. Danach mit einer Decke und Buch und Olli auf eine Wiese in den Parc Cinquentenaire. Beobachten wie dicke Wolken und Sonne sich abwechseln, es aber mal nicht regnet. Endlich wieder warm in Brüssel. Nach zwei Stunden Park reichts. Wir verabreden uns noch zum späteren Wäsche waschen und essen gehen. Es wird Crepes. Endlich. Herzhaft mit Birne und Käse und köstlich. Zum Nachtisch Waschsalon. Haha. Das Klientel ist mal wieder herrlich. Verrückte Leute gehen glaube ich bevorzugt sonntags waschen. Ich versuche einer verwirrten Dame zu helfen, die nahezu den kompletten Automaten mit Waschpulver leer kauft. Abends verbringe ich mit Tina eine Runde Fußball vorm Fernseher. Mit Geschichten und Ben & Jerrys. Ich werde noch kreativ und bastel ein Geschenk. Neues Buch des Tages: Die Mittagsfrau. Von Julia Franck. Fängt gut an.
Montag: 23.06.08
Ereignisreichster Tag seit langem. 9 Uhr Bürostart. Britta ist da. Marco auch wieder und hat Geburtstag. Bekommt das gebastelte. Ab 10 lasse ich Jost allein und begebe mich auf ein Seminar im Comité des Regions um die Ecke. Thema: Small Business Act, sous presidence francais. Zur Erklärung: Der SBA möchte die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen fördern. Wird anscheinend diese Woche noch von der Kommission verabschiedet. Eine Art Richtlinie. Oder auch ohne Art. So genau weiß ich die Unterschiede immer noch nicht. Sollte ich wohl mal lernen. Interessante Redner von Vertretern von eben diesen Unternehmen (KMUs, oder SME, oder PME, je nachdem in welcher Sprache), ein französischer Senator, einer von der Kommission etc. Das meiste auf französisch. Ich probiere es so. Verstehe es auch halbwegs. Lass mir dennoch das meiste übersetzen, um den Kern der Sache auch mitzubekommen. Wirklich interessant. Und gut besucht. Nach 3 Stunden gibt’s es eine Mittagspause. Ich freunde mich irgendwie mit Delphine, einer Pariserin, an. Wir sprechen französisch, denn deutsch kann sie nicht. Das Essen ist mal wieder großartig. Dazu gibt’s Wein. Nicht für mich ausnahmsweise mal. Danke, verzichte. Ich unterhalte mich auf französisch mit Italienern und Franzosen. Le tournament européen est naturellement de l’importance. J’essaie aussi de parler et expliquer des choses et après quelque temps j’y arrive. J’invite Delphine de boire un café avec moi au Parlament parce qu’elle a une deuxième seminaire la bas. C’est chouette. On échange des contact. Peut-être jusqu’à une prochaine fois. Im Büro arbeite ich mal was. Die Zeit vergeht schnell. Schreibe eine Zusammenfassung vom Seminar. Recherchiere mal wieder zu Stoiber und cutting red tape alias Bürokratieabbau. Um sechs gehen Jost, moi und die Alvaro-Praktikanten zu einer Veranstaltung von Graf Lambsdorff. Deutsch französische Beziehungen das Thema. Hatte ich ja heute noch nicht genug. Haha. Ganz nett. Hätte etwas spannender sein können. Zumindest gibt’s ein Buch. Kommt nach Streudorf per Post. Watch out, les parents. Danach Place Lux. Marco hat zum geburtstagsumdrunk eingeladen. Gab ja schon lange kein Bier mehr. Das ganze Büro ist da. Plus noch mehr Bekannte. Frankie und ein süßes Babymädchen. Gulio und lustige Geschichten. Später gibt’s noch echte italienische Pasta vom italienischen Freund. Delicieux. Mehr Bier und ein fabelhafter Balkon. Perfekter Sommer.
Dienstag: 24.06.08
Berlin rückt näher. Noch einiges zu organisieren. Plan machen, Koffer packen, Verbindungen checken. Soziale Kontakte und Unterkünfte koordinieren. Mit Leuten telefonieren. Ich verpasse leider in Brüssel: die Abschiedsparty von Manel und Charlotte, das Coleur Café mit Erikah Badu, das Fußballfinale in Brüssel. Dafür bekomme ich: eine Nacht bei Anni, ein spannendes politisches Seminar zu transatlantischen Beziehungen in einem tollen Schloss, eine Übernachtung in einem Luxushotel mit Spa-Bereich und tollem Essen mit Steffen, eine Woche arbeiten im FDP-Europabüro im Bundestag, eine Woche Spaß mit Felli, eine goldene Hochzeit in Dresden und endlich mal wieder fliegen. Nicht ganz so schlechter Tausch. Ich freue mich sehr. Gebloggt wird eventuell erst wieder nach meiner Rückkehr. Das heißt Geduld an alle. Bis dahin ist Deutschland entweder Europameister oder wieder nur zweiter oder dritter Sieger. Viele gute Freunde verlassen mal wieder Brüssel und ich brauche mehr neue soziale Kontakte. Ich habe dann keinen Praktikanten mehr und mein vierter Monat in Brüssel hat begonnen. Bilanz: Ich mags hier immer noch sehr. Und Ilmenau fehlt mir nicht. Nur die Leute. Wer mag, kommt mich gerne noch Ende Juli und im August besuchen. Da hab ich eh nichts zu tun im Parlament, werde aber da sein müssen. A bientot.
PS: Bildertitel gibts noch irgendwann.
- profilneurose
- ben & jerrys
- schick II
- schick
- …
- netz
- des maisons
- …qui rit
- antwerp
- grand place anvers
- olli
- südländisch aber belgisch
- salat deluxe
- blau in antwerpen
- hund pis














